"Man muß sich darauf gefaßt machen, daß so große Neuerungen die gesamte Technik der Kuenste veraendern, dadurch die Invention selbst beeinflussen und schliesslich vielleicht dazu gelangen werden, den Begriff der Kunst selbst auf die zauberhafteste Art zu veraendern." (Paul Valeéry: Pieces sur l'art, Le Conquete de l'ubiquite)

Interpretation durch detailliert Rekonstruktion ihrer klanglichen Nuancen

Das spaete 18. Jahrhundert und folgende 19. Jahrhundert hat eine ungahnte Bluete der Klaviermusik nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass die Anschlagsdynamik dem Interpreten eine für Tasteninstrumente bis dahin kaum erreichbare dynamische Flexibilität bereitstellte. In noch weit dramatischerem Ausmaß bietet heute die Digitalisierung der Klangaufzeichnung und Wiedergabe dem digitalen Interpreten einen bis dahin ungeahnten Reichtum an Gestaltungsmoeglichkeiten auch für die Interpretation des reichen Ideengehaltes unserer musikalischen Tradition. Produzenten leistungsfaehiger Samplelibraries versuchen mit versiertesten Instrumentalisten, besten Instrumenten und Tonmeistern jede nur erdenkliche Nuance des traditionellen Instrumentalspiels in tausenden bis millionenfachen Einzeltonaufnahmen zu erfassen und digital verfügbar zu machen. Sie erschließen damit Kulturleistungen einer Zeit des hochentwickelten musikalischen Kunsthandwerks für die musikalische Sprache unserer digitalen Gegenwart und Zukunft.
Ich versuche diese Möglichkeiten nach bestem Wissen in einer Vielfalt musikalischer Zusammenhänge so musikalisch sinnvoll zu nutzen, wie es mir moeglich ist, um auch auf diese Weise dazu beizutragen, das reiche Erbe unserer klassischen Musiktradition im digitalen Zeitalter mit neuem Leben zu erfuellen. In diesem Sinne präsentiert Klassik-resampled tausende unter Nutzung von "Digital Audio Workstations" und der hoechst entwickelten verfuegbaren Samplelibraries produzierte Aufnahmen von Werken aus den verschiedensten musikalischen Themenfeldern unserer klassischen Musiktradition.

 

Digitale Virtuositaet in der musikalischen Interpretation

Der Virtuose beherrscht sein Instrument auf eine Weise, die es erlaubt, der Interpretation ein Hoechstmaß an Differenziertheit und musikalischer Dichte abzugewinnen. Allerdings ändern sich sowohl mit dem vorliegenden Repertoire wie mit den spieltechnischen Moeglichkeiten immer auch die zu bewaeltigenden Herausforderungen der Interpretation. So wenig das Repertoire, die Instrumente, deren Spieltechniken und der Aufführungskontext Chopins oder Liszts jenen des 200 Jahre aelteren genialen Tastenvirtuosen Frescobaldi entsprechen, so wenig muss und kann sich musikalische Virtuosität im 21. Jahrhundert die Grenzen des musikalischen Handwerks des 19. Jahrhunderts zum alleinigen Mass der Dinge nehmen.
Ich beanspruche fuer die hier vorgestellten Interpretationen traditionellen Repertoires keine mechanische oder gar objektive Perfektion. Doch kann mit den hier verwendeten Mitteln in ganz anderer Praezision als an jedem hoelzernen Instrument sowohl auf das musikalische Detail wie auf den uebergreifenden Schaffenskontext jedes Werkes eingegangen werden. In diesem Sinne versucht Klassik-resampled die Herausforderungen und Moeglichkeiten einer virtuosen Nutzung der uns heute verfuegbaren digitalen Instrumente - so gut es mir dies eben möglich ist - nicht nur zu einer menschlichen Sprache mit einem Hoechstmaß erreichbarer musikalischer Dichte zusammen zu führen, sondern auch die einzelne Komposition zugleich in einem moeglichst vollständigen Werk- und Schaffenskontext zu praesentieren wie z.B. in einer Reihe teils umfangreicher Gesamtaufnahmen zusammenhängender Werke und Werkgruppen.

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